Workshop-Moderation: “Erwachsene sind lernfähig, aber unbelehrbar”
Von Florian Grolman | Kategorie: Aus der Praxis, Methoden der Organisationsentwicklung, WorkshopsTod dem Stuhl: Workshops sind viele effektiver, wenn man sie interaktiv gestaltet und die Teilnehmer buchstäblich “in Bewegung” bringt. Dafür verwenden wir eine Reihe bewährter Methoden.
Was das meint?
Nun: Erwachsene können (selbstverständlich) dazu lernen, auch und gerade in Workshops und Seminaren. Hinderlich für den Lernfortschritt erweisen sich aber “Frontal-Vorträge”, wie wir sie allermeist immer noch bei den meisten Tagungen, Kongressen, Panels etc. vorfinden. Sind das Wichtigste an diesen Veranstaltungen nicht eigentlich immer die Pausen?
Evolutionstheoretisch “sitzt” der Mensch erst seit ein paar Wochen. Wir sind dazu eigentlich nicht gemacht, stundenlang, tagelang vor einem Monitor zu hocken und “bewegungslos” zu arbeiten. Wie viele Bandschreibenvorfälle, Verspannungen, krankhafte Verkürzungen von Sehnen und Muskeln gibt es in Ihrem Umfeld (wenn es die Musikeln überhaupt noch gibt) ?
Wer sich bewegt, lernt schneller
Wer sich im Raum bewegt, wird auch im Geist beweglich. Das wissen nicht nur die Karthäuser-Mönche, welche die wirklich wichtigen theologischen Debatten auf gemeinsamen Spaziergängen führen (und, kleiner Exkurs: Auch die Zisterzienser-Mönche treiben auch heutzutage täglich Sport, wie Pater Karl Wallner vor ein paar Wochen im NDR Info preis gab, “denn die Bewegung führt zu Gott”. Sic!) Wenn ich zum Beispiel eine Sprache neu erlerne, mache ich die Vokabelarbeit am effektivsten “in Bewegung”, und sei es nur im Wohnzimmer im Kreis. Probieren Sie das ruhig einmal aus!
Konfuzius als Vorbild
Aber nicht nur Bewegung erleichtert das Lernen. Vor allem, und das ist mit dem Eingangszitat gemeint, ist die eigene Erfahrung unser wichtigster Lehrmeister:
What I hear I forget,
What I see, I remember,
What I do, I understand!
(Konfuzius)
Das, was wir im eigenen Erleben erfahren, ist viel tiefer in unserem Erfahrungs-Schatz verankert als das, was uns irgendwer erzählt oder wir in irgendwelchen Büchern lesen. Nichts gegen packende Vorträge oder wegweisende Fachliteratur, im Gegenteil! Workshops und Seminare entfalten aber nach meiner Erfahrung vor allem dann nachhaltige Wirkung, wenn sie nach Phasen des theoretischen Inputs möglichst viel Raum für Selbst-Erfahrung lassen, zum “Kauen und Verdauen” der Inhalte.
Workshop-Konzeption
Daher achte ich bei der Konzeption meiner Workshops darauf:
- viel Bewegung
- viel Interaktion
- viel Raum, um im Plenum Erfahrungen auszutauschen und vom Wissen der anderen Teilnehmer zu profitieren
- fachlich fundierter, aber “knackiger” Input, auf den Punkt gebracht
- regelmässige Gruppenübungen zum “Vereinnahmen” des Stoffs
- pdf-Fotodokumentation aller Flipchart- und Pinwand-Bilder sowie aller Gruppen-Ergebnisse (damit sich alle Teilnehmer auf den Inhalt konzentrieren können und nicht aufs Mitschreiben)
Oder, um es mal zugespitzt zu formulieren: Auch nach dem Mittagessen “schläft” in meinenWorkshops keine(r). Versprochen!
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